Kollisionen im Gegenverkehr – eine interdisziplinäre Betrachtung

Kollisionen im Begegnungsverkehr, bei denen ein Fahrzeugführer auf die Gegenfahrbahn geraten ist, lassen sich über die Gründsätze des Anscheinsbeweises und die Beachtung von Ausnahmekonstellationen rechtlich sicher beurteilen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass sich insbesondere klären lässt, welches Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn geraten ist. Auch bei einer Unterbrechung der Spurenzeichnung kann diese Sachverhaltsaufklärung gelingen und eine rechtliche Bewertung ermöglichen, wie mit diesem interdisziplinären Beitrag aufgezeigt wird.

Der Beweis des ersten Anscheins spricht für ein Verschulden des Kraftfahrers in Form eines Verstoßes gegen § 2 Abs. 1 StVO, wenn dieser ohne erkennbaren Anlass auf die Gegenfahrbahn gerät und dort mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenstößt. Hinter der hierdurch erhöhten Betriebsgefahr des auf die Gegenfahrbahn abkommenden Fahzeugs tritt die Betriebsgefahr des entgegenkommenden Fahrzeugs im vollen Umfang zurück.

Dies gilt selbst dann, wenn es sich um einen breiten Lkw handelt, der deswegen im Gegenverkehr auf seiner eigenen Spur eine leicht erhöhte Betriebsgefahr aufweist. Diese Gründsätze gelten auch für einen Radfahrer.

 

Quelle: Beitrag aus der VRR 06/2015

OLG Frankfurt – SP 2014; OLG München – Urteil vom 16.05.2008 – 10 U 1701/07

OLG Frankfurt a.a.O; KG Urteil vom 1.10.1998 – 12 U 5185/97

 

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