Wenn der Vorschaden zum Problem wird

Liegen Vorschäden vor, darf das bei der Schadenaufnahme nicht übersehen werden.
Statistisch gesehen ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Verkehrsteilnehmer mit demselben Fahrzeug mehrfach einen Verkehrsunfall erleidet. Jedoch kommen auch solche Fälle immer mal wieder vor. Wird das früher bei einem Verkehrsunfall beschädigte Fahrzeug dann nochmals in einen Unfall verwickelt, so darf dies bei der Geltendmachung der Ansprüche nicht übersehen werden. Von dem Geschädigten wird erwartet, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Beitrag zur Aufklärung des Schadenumfanges leistet. Hatte das Fahrzeug bereits zuvor schon einmal eine Beschädigung erfahren, so muss der Geschädigte dies bei der Geltendmachung des neuen Schadens gegenüber der eintrittspflichtigen Versicherung offenlegen.
Geschädigter muss Vorschäden benennen.

In der Regel informiert der Geschädigte den von ihm beauftragten Sachverständigen über den Vorschaden, und der Sachverständige kann entsprechende Angaben in seinem Gutachten machen. Wird jedoch mit der Vorlage des Gutachtens in einem Haftpflichtfall behauptet, das Fahrzeug habe keinen Vorschaden erlitten, und stellt sich dann das Gegenteil heraus, dann hat der Geschädigte Probleme, seine Ansprüche durchzusetzen. Der Geschädigte ist in einem Haftpflichtfall zwar beweispflichtig für den Umfang des eingetretenen Schadens, dabei kommen ihm aber Beweiserleichterungen nach § 287 ZPO zugute. Es genügt hinsichtlich der Schadenhöhe eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, und das Gericht ist dazu berechtigt, die Höhe zu schätzen. Außerdem kann der Beweis des ersten Anscheins dafür streiten, dass die später festgestellten Schäden auch auf den Unfall zurückzuführen sind. Hat sich beispielsweise ein Auffahrunfall ereignet, so wird vermutet, dass der Heckschaden dem Unfall zuzuordnen ist. Diese Beweiserleichterungen gelten aber nur dann, wenn das Fahrzeug vor dem Unfall unbeschädigt war und dies auch unstreitig ist. Legt der Geschädigte ein Haftpflichtgutachten vor, aus dem sich keinerlei Hinweise auf einen Vorschaden ergeben, und stellt der Versicherer dann aber fest, dass das Fahrzeug schon einmal einen Vorschaden erlitten hat, so verliert der Geschädigte die Beweiserleichterung. Er muss dann nach § 286 ZPO den Vollbeweis führen, dass der von ihm konkret zur Reparatur geltend gemachte Schaden ausschließlich auf den aktuellen Verkehrsunfall zurückzuführen ist.

Problemfall überdeckende Vorschäden
Probleme ergeben sich insbesondere dann, wenn es sich um einen überdeckenden Vorschaden handelt. Lag der Vorschaden im Frontbereich vor und handelt es sich bei dem aktuellen Verkehrsunfall um einen Auffahrunfall, so dürfte dem Geschädigten die Beweisführung möglich sein. Bei den überdeckenden Vorschäden ist es jedoch so, dass sich der Unfall im gleichen Bereich ereignet hat. In unserem Beispielfall wäre also von einem überdeckenden Vorschaden dann auszugehen, wenn auch der Vorschaden einen Heckschaden dargestellt hätte. Bei einem solchen überdeckenden Vorschaden muss der Geschädigte beweisen, dass die aktuelle Beschädigung ausschließlich auf den neuen Verkehrsunfall zurückzuführen ist. Ein solcher Beweis ist praktisch kaum zu führen, wenn man nicht beweisen kann, dass der Vorschaden ordnungsgemäß repariert worden war. Besonders problematisch wird die Situation für den Geschädigten, wenn er den Vorschaden fiktiv abgerechnet hat und er somit nicht über eine Reparaturrechnung verfügt, mit der er die Reparatur des Vorschadens beweisen könnte. Die Gerichte erwarten in solchen Fällen, dass der Geschädigte konkret die Durchführung der Reparatur und auch deren Art und Weise beweist. So reicht es nicht aus, dass der Geschädigte behauptet, das Fahrzeug sei „fachgerecht repariert“ gewesen. Von dem Geschädigten wird verlangt, dass er konkret darlegt, wie der Vorschaden repariert wurde. Ein solcher Beweis ist durch die Vorlage der Reparaturrechnung möglich. Existiert aber eine Reparaturrechnung nicht, dann ist der Beweis im Nachhinein kaum zu führen. Die Folge ist dann bei einem überdeckenden Vorschaden, dass der Geschädigte den Haftpflichtprozess gegen den Versicherer verliert, wenn nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist, dass die Schäden auch auf den Vorschaden zurückzuführen sind.

Zusammenfassend bleibt daher festzuhalten, dass beim Haftpflichtfall immer über etwaige Vorschäden aufgeklärt werden muss.

Der Geschädigte kann seine Nachweispflicht nur dann erfüllen, wenn er eine Reparaturrechnung vorlegt. Dies ist ein Argument gegen die fiktive Abrechnung!
Beim Kauf von Gebrauchtfahrzeugen sollte daher auch darauf geachtet werden, dass nicht nur über die Reparatur eines etwaigen Schadens gesprochen wird, sondern sich der Käufer von dem Verkäufer bei Abschluss des Kaufvertrages auch entsprechende Rechnungskopien aushändigen lässt. Nur so ist gewährleistet, dass im Falle eines weiteren Unfalles die ihm obliegende Beweispflicht erfüllt werden kann. In der Praxis wird dies leider viel zu oft übersehen.